Abwarten ist keine Lösung

20 Sep Abwarten ist keine Lösung

Im Mai 2018 wird zeitgleich mit einer neuen Datenschutz Grundverordnung (DS-GVO) auch die sogenannte ePrivacy-Verordnung der EU in Kraft treten. Beide Verordnungen werden erhebliche Auswirkungen auf den täglichen Geschäftsablauf und tatsächlich auch auf die grundlegenden Geschäftsmodelle von Verlagen und Medienunternehmen haben. Doch in vielen Unternehmen wird das unliebsame Thema immer wieder beiseite gelegt.

Im März diesen Jahres meldet sich meine Kollegin zu einem Seminar zum Thema „DS-GVO / ePrivacy“ an. Das Seminar fand nie statt. Grund: Meine Kollegin wäre die einzige Teilnehmerin gewesen. Da waren es ja auch noch komfortable 14 Monate bis zum Inkrafttreten der Verordnungen. Inzwischen sind es nur noch neun Monate, keine 180 Arbeitstage mehr.

Dabei ist es sicher, dass die Verordnungen kommen und ohne Umsetzungsfrist der Länder sofort gültig sein werden. Die genaue Ausprägung steht zwar noch nicht fest, aber was hilft der Verweis auf „Lobbyarbeit“ und „nichts wird so heiß gegessen…“ wenn man an den Umrissen bereits erkennen kann: Da kommen zwei „Hämmer“ und eine Menge Arbeit auf uns zu!

Eine zusätzliche Motivation sich des Themas anzunehmen dürfte auch der Bußgeldkatalog sein, der die neuen Verordnungen begleitet: Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 20 Mio. Euro und 4% des Vorjahresumsatzes. Alles andere als eine Kleinigkeit also und ein Beleg dafür, dass dieses Mal Ernst gemacht werden soll.

Ohne auf die einzelnen Inhalte der DS-GVO eingehen zu wollen (eine gute Übersicht finden Sie hier): die Verordnung nimmt die Unternehmen in die Pflicht, fordert verstärkt umfangreiche Dokumentation der Abläufe ein und stärkt die Rechte der „Betroffenen“, derer also, deren Daten im Unternehmen gespeichert und verarbeitet werden, seien es Mitarbeiter, Kunden, Geschäftspartner oder Interessenten. Es gilt also einen Plan zu entwickeln, Verantwortliche zu benennen, Abläufe zu dokumentieren, bisherige Vereinbarungen anzupassen und bestehende Technologien zu evaluieren. Kein ganz einfaches Aufgabenbündel, zumal es in weniger als 180 Arbeitstagen erledigt sein muss.

Beinahe noch dramatischer könnten die Konsequenzen und ToDos ausfallen, die sich aus der ePrivacy-Verordnung ergeben: Der gesamte Bereich Online-Marketing, Cookie-Richtlinien, Tracking und vieles mehr stehen hier auf dem Prüfstand und müssen – je nach letztgültiger Ausprägung der Verordnung – angepasst und regelkonform gestaltet werden. Bestehende Geschäftsmodelle müssen grundlegend neu gedacht werden ja, stellen sich worst case sogar als nicht mehr haltbar heraus.

Mit der brisanten Mischung aus DS-GVO und ePrivacy Verordnung werden Verlagen und Medienunternehmen also Entscheidungen und Aufgaben in die ToDo-Liste geschrieben, über deren Erledigung und Lösung besser heute als morgen nachgedacht werden sollte. „Schau mer mal“ geht bei diesem Thema nicht. Abwarten ist keine Lösung!

 

Stefan Pemsel

Meine berufliche Leidenschaft gilt den Medien.

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